Schnellboot der Klasse 140/141 - "Jaguar Klasse"
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde ab 1956 in der Bundesrepublik mit der Aufstellung von Einheiten der Seestreitkräfte begonnen. Die Seestreitkräfte der jungen Bundeswehr sollten ihr Einsatzgebiet in der Nord- und Ostsee haben. In der strategisch überaus wichtigen Ostsee ging es vorrangig darum, die Landung sowjetischer Einheiten an deutschen und dänischen Küsten zu verhindern und die Ostseeausgänge für sowjetische Kriegsschiffe zu sperren. Diese Aufgaben sollte u.a. die Bundesmarine als Teil der NATO-Seestreitkräfte übernehmen. Die Bundesrepublik Deutschland war der NATO bereits 1955 beigetreten.
Die Aufrüstung der Seestreitkräfte der Bundeswehr erforderte den neuen Anforderungen entsprechendes Material. Neben ersten gebrauchten Zerstörern und Landungsschiffen aus Beständen der US-Navy wurden Ende der 1950er Jahre auch Neubauaufträge für u.a. Minensuchboote und Schnellboote an deutsche Werften vergeben.
Einen umfänglichen Auftrag zum Bau von 30 Einheiten moderner Torpedo-Schnellboote der Klassen 140/141 sicherte sich die Lürssen Werft aus Bremen-Vegesack. Acht Einheiten wurden in Lizenz von der Kröger Werft in Schacht-Audorf gebaut. Beide Werften arbeiteten zu dieser Zeit anlassbezogen eng zusammen und die Krögerwerft hatte der Lürssen Werft vorab in den frühen 1950er Jahren einen aus Schweden stammenden Neubauaftrag für Schnellboote aus Kapazitätsgründen abgetreten.
Der nun beauftragte Bootstyp wurde von der Lürssen Werft basierend auf den Erfahrungen der Werft im Schnellbootbau während der Zeit des Zweiten Weltkrieges fortentwickelt und stellte die erste Neubauserie der noch jungen Bundesmarine dar. Die Boote waren als Torpedo-Schnellboote mit vier Druckluft-Torpedorohren des Herstellers Pintsch Bamag ausgestattet, mit denen feindliche Einheiten auf eine Distanz von unter 1000 Metern mit ungelenkten Torpedos gefächert angegriffen werden sollten. Die Annäherung der 7-10 Boote je Geschwader sollte bei Höchstgeschwindigkeit der Boote von rund 42 Knoten in dichter Formation erfolgen, um eine Abgrenzung als Einzelziel auf dem gegnerischen Radar zu erschweren. Erst kurz vor dem Angriff sollte sich das Geschwader aufteilen und zugewiesene Einzelziele auf See angreifen.
Zusätzlich waren je Boot zwei Bofors Schnellfeuerkanonen im Kaliber 40mm/L70 in offenen Geschützständen montiert, die primär der Luftabwehr dienen sollten und aus bordeigenem Magazinbestand bis zu insges. 3168 Schuss Flakmunition abfeuern konnten. Die mit elektronischen Richtmotoren ausgestatteten Geschütze wurden vom Artillerieleitstand aus zentral gesteuert und dezentral zum Nachladen bedient.
Die Boote der Klassen 140/141 waren zudem in Nebenaufgabe als minenlegende Einheit vorgesehen und konnten nach Ausbau der achteren Torpedorohre bis zu 40 Seeminen mitführen. Auch Abwurfeinrichtungen für Wasserbomben waren heckseitig angebracht.
Da die Boote in traditioneller Bauweise des Holzbootbaus ausgeführt waren, hatten sie am Rumpf praktisch keine Panzerung. Dieser Bestand aus einem Spantengerüst in Leichtmetallausführung mit verleimter Holzbeplankung in Teak und Mahagoni. 11 wasserdichte Abteilungen sorgten für Auftrieb auch bei sektionalem Wassereinbruch. Die Brücke und die Geschützstände waren hingegen mit 1 cm starkem Stahlblech zumindest minimal gepanzert. Die Konstruktion des Rumpfes machte die Boote zwar weitgehend robust und minensicher, schränkte ihre Verwendungsfähigkeit bei nur geringem Eisgang jedoch bereits stark ein.
Die Motorisierung der zwanzig Boote der Klasse 140 erfolgte über vier 20-Zylinder-V-Motoren des Typs MB-518 B in Leichtmetallausführung von Daimler-Benz mit jeweils 3000 PS Leistung. Die nur in diesem Punkt abweichenden zehn Einheiten der Klasse 141 erhielten als Neubau bei identischer Maschinenleistung vier Grauguss-Motoren des Herstellers Maybach. Das Gesamtgewicht der Boote der Klasse 141 lag hierdurch etwa 7 Tonnen über dem eines Bootes der Klasse 140. Nur die beiden letzten Boote der Klasse 141 erhielten wiederum leistungsstärkere Grauguss-Motoren des Herstellers Maybach vom Typ MD 872. Hier lag die Gesamtleistung final bei rund 14400 statt 12000 PS. Ende der 1960er Jahre wurden dann bei allen Booten die Motoren gegen die leistungsstärkeren Maybach-Versionen ausgetauscht. Dies geschah jedoch auf Kosten der Reichweite, die durch den entsprechend erhöhten Kraftstoffverbrauch sank. Der Aktionsradius der Boote betrug nach Indienststellung rund 900 Seemeilen.
Die Schnellboote waren für maximal 39 Mann Besatzung (Offiziere, Bootsmänner, Maate und Mannschaften) ausgelegt. Deren Unterbringung in Kammern und Kojen erfolgte über das ganze Boot verteilt in je nach Dienstgrad mehr oder minder beengten Verhältnissen.
Ab 1962 wurden die Geschwader bei längeren Manövern und Auslandsaufenthalten stets durch einen Tender begleitet, der die Versorgung sicherte.
Die zwanzig Schnellboote der Klasse 140 wurden im 3. und 5. Schnellbootgeschwader stationiert in Flensburg-Mürwik, bzw. Neustadt in Holstein in Dienst gestellt. Die zehn Boote der Klasse 141 bildeten das 2. Schnellbootgeschwader und waren in Wilhelmshaven stationiert. Die neuen Schnellbootgeschwader waren zugleich häufig auch erste Repräsentanten der neuen deutschen Marine im Ausland und trugen durch diese Rolle auch maßgeblich zum in den Folgejahren entstehenden guten Ruf der Bundesmarine im Ausland bei.
Aufgrund der sich verändernden Gegebenheiten im Bezug auf die Weiterentwicklung der Waffentechnik hin zur flugkörpergestützten Zielbekämpfung waren die Schnellboote jedoch bereits in den 1960er Jahren technisch veraltet. Die frühe Außerdienststellung der gut gepflegten Boote fand folglich bereits zwischen 1972 und 1976 statt. Die Boote wurden entweder an ausländische Seestreitkräfte in Griechenland und der Türkei zur Weiternutzung übergeben, oder vereinzelt auch für die zivile Nutzung als Motoryacht in Deutschland umgebaut. Heute ist keines der Schnellboote aus der Klasse 140/141 als Museumsschiff erhalten geblieben.
Laut Internetrecherche von der Kröger Werft in Schacht-Audorf gebaute Einheiten der Klassen 140/141:
S24 "Panther" Indienststellung 12.1958 Klasse 140 - 3. Geschwader
S25 "Bussard" Indienststellung 03.1959 Klasse 141 - 2. Geschwader
S26 "Habicht" Indienststellung 06.1959 Klasse 141 - 2. Geschwader
S27 "Sperber" Indienststellung 07.1959 Klasse 141 - 2. Geschwader
S28 "Kormoran" Indienststellung 11.1959 Klasse 141 - 2. Geschwader
S29 "Alk" Indienststellung 01.1960 Klasse 140 - 5. Geschwader
S30 "Pelikan" Indienststellung 03.1960 Klasse 140 - 5. Geschwader
Technische Daten:
Länge: 42,62 Meter / Breite: 7,10 Meter / Tiefgang: 2,10-2,20 Meter / Antrieb über 4 Dieselmotoren je nach Bauart in unterschiedlicher Ausführung, 12000-14400 PS Gesamtleistung / Geschwindigkeit 42,00 Knoten
Das Modell: gebaut vermutlich von Modellbauern der Bauwerft um 1957 im Maßstab 1:50
