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Reederei HADAG, HamburgReederei HADAG, Hamburg

 Kreuzfahrtschiff "M.S. Astor" (1981)

 

 

Die "M.S. Astor" lief am 16.12.1980 bei der Howaldtswerke Deutsche Werft - Werk Ross in Hamburg (HDW) als Baunummer 165 für die Hamburger Reederei HADAG Cruises Lines AG vom Stapel. Bauname des Schiffes in der Entwicklungs- und Planungsphase Ende der 1970er Jahre war  "Hammonia".

 

Der Zeitverlauf bis zur ersten Reise des Schiffes stellt sich im Detail wie folgt dar:

 

Dezember 1978: Der Bau des Schiffes mit Billigung des Senats grundsätzlich beschlossen.

Anfang 1979: Beginn der Verhandlungen über den Bau zwischen der HADAG und der Werft HDW.

 6. Februar 1979: Die HADAG schreibt an HDW, sie wolle den Neubau in Auftrag geben.

 12. Februar 1979: HDW reserviert im Werk Ross den Bauplatz für das Schiff.

 15. August 1979: Einigung der Vorstände von HADAG und HDW über technische Konzeption, Ausgestaltung, Preis,Zahlungsbedingungen und Lieferzeit.

 15. August 1979: Die HADAG legt eine Wirtschaftlichkeitsberechnung vor, die von Senat und Aufsichtsrat gebilligt wird.

 12. September 1979: Die HADAG unterrichtet die Werft, dass der HADAG Aufsichtsrat dem Projekt weiter "grünes Licht"gebe und dass der Endbeschluss am 23. Oktober gefasst werden soll.

 Ende September bis Anfang Oktober 1979: Die SPD-Bürgerschaftsfraktion befasst sich mit dem Kreuzfahrtschiff und äußert plötzlich grundsätzliche Bedenken gegen die Absicht der HADAG, künftig Kreuzfahrten zu veranstalten.

 23. Oktober 1979: Die Einwendungen des SPD-Vorstands führen dazu, dass Senat und HADAG -Aufsichtsrat die Bestellung des Schiffes bei HDW davon abhängig machen, dass sich eine erfahrene Touristik-Organisation an der Gesellschaft, die das Schiff betreiben soll, beteiligt.

 23. Oktober 1979: HDW macht unter Hinweis auf Erklärungen und Zusagen des Senats darauf aufmerksam, dass eine Nichtbestellung bei HDW Hamburg Kurzarbeit auslösen würde.

 2. November 1979: Der HDW-Aufsichtsrat räumt der HADAG für die Bestellung eine letzte Frist bis Ende November ein.

 8. Dezember 1979: Es ist soweit - "Bild Hamburg" schreibt unter der Schlagzeile "HADAG, TUI, Reemtsma retten Hamburgs Musikdampfer". "Hamburgs neues Flaggschiff wird gebaut. Denn zwei Riesen steigen neben der HADAG ein. Besonders gefördert wird das Projekt MS Astor vom TUI-Vorstandsvorsitzenden Paul Lepach und seinem Reemtsma-Kollegen Dr. Horst Wiethüchter.

 16. Dezember 1980: Über 6000 Hamburger sind zur Astor Taufe auf das HDW Gelände gekommen. Taufpatin Ilse Wiethüchter, Gattin des Reemtsma-Vorstandsvorsitzenden, sagt den Taufspruch:

 

„Ich gebe Dir den Namen eines wagemutigen, einfallsreichen, bedeutenden und erfolgreichen Mannes, der unvergessen ist und mit dem sich auch heute noch für alle das Besondere verbindet.

Ich taufe Dich auf den Namen Astor und wünsche dir, Deinen zukünftigen Fahrgästen, Deinen Offizieren und Mannschaft sowie Deiner Reederei für alle Zeiten viel Glück und in jeder Weise mindestens drei Fuß Wasser unter dem Kiel"

 

Um genau 10.47 Uhr zerplatzt das Flaschenglas am grünblauen Wulstbug.

 

 

21. Mai 1981: Eine chemische Reaktion erzeugt einen Brand von Ausrüstungsgegenständen mit starker Rauchentwicklung. Das Atlantik-Deck muss folgend neu eingerichtet werden. Die geplante Jungfernreise am 22. August 1981 wird abgesagt.

24. November 1981: Es ist soweit, "MS Astor" geht zum ersten mal auf Reise zur dreitägigen Probefahrt in die orkanartig aufgewühlte Nordsee. Die "MS Astor" absolviert das werftseitige Test-Programm wunschgemäß.

04. Dezember 1981: Ablieferung an den Eigner.

 12. Dezember 1981: Voll ausgerüstet geht es auf die erste Gästefahrt mit 600 Prominenten aus Politik, Wirtschaft und Showbuisiness.

Zuvor gab es eine Fahrt für Mitarbeiter der Firmen HDW, HADAG, Kymo, Reemtsma und TUI - als Dank, stellvertretend für alle, die engagiert mitgewirkt hatten.

 17. Dezember 1981: Die Überführungskreuzfahrt - der erste richtige Test unter Kreuzfahrtbedingungen absolviert die "MS Astor" auf einer fünftägigen Fahrt von Hamburg über Le Havre nach Malaga - mit 500 Gästen von der Reederei, Reemtsma und TUI an Bord.

 23. Dezember 1981: Jungfernreise unter dem Kommando des Kapitäns Raimund Krüger.

(Vor der Astor u.a. Kapitän des Expeditions-Kreuzfahrtschiffes "MS World Discoverer")

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Der weitere Lebenslauf des Schiffes:

 

14. Oktober 1983: Nach knapp zweijährigem Betrieb hat die "MS Astor" Verluste in Millionenhöhe eingefahren. Die der Stadt Hamburg gehörende Hadag Cruise Line muss deshalb ihr Schiff mit Lieferung 1984 an die South African Marine Corp Ltd. in Kapstadt verkaufen.

 7. Februar 1984: In Hamburg wird die Ms Astor an die Safmarine übergeben. Umbau bei HDW in Hamburg, jetzt nur noch 530 Passagiere durch Einbau von mehr Suiten.

1. April 1984: Erste Reise nach dem Umbau von Hamburg nach Southampton.

1.Juli 1984: Die "MS Astor" wird unter Bahama-Flagge in Nassau registriert, da sie unter Südafrika-Flagge keine norwegischen Häfen anlaufen dürfte. Für Kreuzfahrten und im Winter für den Liniendienst Southampton – Kapstadt eingesetzt. Schon nach einem Jahr stellt sich heraus, dass die Maschinenanlage der als Cruise Liner konzipierten "MS Astor" den Anforderungen des Liniendienstes nicht gewachsen ist.

In einem ominösen Dreiecksgeschäft wird die "MS Astor" an die DDR verkauft.

29. August 1985: In Hamburg an die Deutsche West Afrika Linie – Hamburg, und unmittelbar danach von dieser an den VEB Deutfracht/Seereederei, Rostock, übergeben. Hintergrund dieser Transaktion sind zwei Vorteile für die DDR, die einmal das Schiff im innerdeutschen Handel über Kredit erwirbt und zum anderen kein Geschäft mit Südafrika zu machen braucht, was ihr aus Gründen der sozialistischen Moral peinlich wäre. Die laut Presseberichten vereinbarte Gegenleistung der DDR, das Schiff nicht auf dem westdeutschen Kreuzfahrtmarkt einzusetzen, wird schon 1986 nicht mehr eingehalten.

29. September 1985: Nach einem Umbau bei HDW in Hamburg verlässt das inzwischen in "MS Arkona" umbenannte Schiff Hamburg mit Kurs Rostock. Als Ersatz für die außer Dienst gestellte Völkerfreundschaft macht die "MS Arkona" in der Wintersaison Kreuzfahrten für die FDGB und Reisen nach Kuba -  In der Sommersaison Kreuzfahrten mit westlichen Touristen.

15. Oktober 1985: Erste Reise für die FDGB.

07. Januar 1986: Auf der Reise nach Kuba gerät das Schiff in schweres Wetter, muss aber laut Weisung der Reederei den engen Fahrplan einhalten, da der vorgesehene Passagieraustausch in Havanna nicht verschoben werden kann. Durch die heftigen Schiffsbewegungen ziehen die Hauptmaschinen Luft und bleiben stehen. Es besteht die Gefahr des Kenterns. Erst nach einiger Zeit gelingt es der Crew, die Maschinen wieder zu starten. Das Hamburger Abendblatt berichtet über diesen Vorfall – wird aber aus politischen Gründen von Seiten der DDR heftig dementiert. Von den im weiteren Verlauf der Reise erlittenen Seeschäden (mit Rissen in der Rumpfstruktur) erfährt die Öffentlichkeit nichts.

18. Juni 1990: Übertragung an die Deutsche Seereederei Rostock GmbH.

Dezember 1990: Der FDGB findet kaum noch zahlende Gäste für die "MS Arkona". Seetours wird um Hilfe gebeten, kann aber kurzfristig auch keine Passagiere finden. Die Kreuzfahrten werden teilweise mit nur 35 Passagieren durchgeführt.

20. November 1995: Werftaufendhalt in Barcelona. Teilweise neue Innenausstattung – ein neues Kranich-Logo kommt an den Schornstein. Ausflaggung noch Liberia, Heimathafen Monrovia.

Februar 2001: Verkauf an die Astoria Shipping Co.,Nassau, mit Lieferung Februar 2002.

09. November 2001: Brand im Hilfsmaschinenraum nach einem Wendemanöver in Hafen von Mahon, Menorca. Das Schiff ist manövrierunfähig. Der Brand kann gelöscht werden, es gibt keine Verletzten. Die Kreuzfahrt endet für 293 Passagiere nach nur zwei Tagen.

11. November 2001: Reparaturarbeiten in der Werft in Barcelona.

14. Februar 2002: Übergabe in Genua an der zur Transocean-Tours-Gruppe gehöhrende Käufergesellschaft, der Astoria Shipping Ltd., Nassau. Kaufpreis 64 Millionen DM.

20. Februar 2002: Taufe in Nizza auf "MS Astoria".

20. Februar 2002: Premieren Reise unter Transocean Tours.

1. März 2007 Die "MS Astoria" wechselte von der Astoria Shipping Ltd. (Nassau/Bahamas) zu Club Cruise Entertainment and Travelling Services Europe. Für Transocean Tours ist durch die neue Zusammenarbeit mit Club Cruise auch weiterhin gesichert, dass die Astoria wie bisher geplant bis 2011 in Vollcharter bleibt und das Schiff mit der bisherigen guten Qualität vermarktet werden kann.

März 2009/2010: Das Schiff wird an die britische, auf Senioren über 50 spezialisierte Reederei Saga Cruises verkauft - für rund 14 Millionen britische Pfund modernisiert und umgebaut und geht ab März 2010 als "MS Saga Pearl II" auf Reise.

Mai 2012: Umbenennung in "Quest for Adventure" - weiterhin für Saga Cruises in Fahrt.

Ende 2013: Rück-Umbenennung auf "MS Saga Pearl II".

 

2019 soll das Schiff durch einen Neubau ersetzt werden - weiteres Schicksal dann ungewiss.

 

 

 J.J. Astor - der Namensgeber des SchiffesJ.J. Astor - der Namensgeber des Schiffes

 

 

 

 

 Link zu einem kurzen Film aus dem Jahr 2000

Musikalische Erinnerung an die Astor als ZDF Traumschiff 1983

 

 

Schriftzug der MS AstorSchriftzug der MS Astor

 

 Linienriss MS Astor Linienriss MS Astor

 

 

Technische Daten:

IMO Nr.: 8000214 / BRT 18835  / Länge: 164,00 Meter / Breite: 22,60 Meter / Tiefgang: 5,85 Meter / Besatzung: 220 / Antrieb über 4 Diesemotoren MAN 6L40/45 je 3300 KW - Gesamtleistung 17947 PS / Geschwindigkeit 20,5 Knoten

 

 

 

Das Modell: gebaut 1980 bei Ihlenfeldt & Berkefeld Modellbau Hamburg im Maßstab 1:150

 

 

 

 

 

Galerie: "M.S. Astor" und das Reedereimodell